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Thema: Die Standortwahl der Pyramiden aus der 4. und 5. Dynastie in Gizeh, Abusir, Abu Roasch und Zaujet el-Aryan (Teil1)
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Die Pyramiden-Orion-Korrelation von Robert Bauval

Robert Bauval vertritt die Auffassung, das Standorte bestimmter Pyramidengruppen Teile verschiedener Sternbilder sind. Man hätte somit Teile des Sternenhimmels auf die Erde projiziert. Die drei Gizeh-Pyramiden sollen den Oriongürtel bilden, wegen der angeblich auffälligen Übereinstimmung des Standortmusters mit den drei Gürtelsternen Alnitak, Alnilam und Mintaka. Der Pyramidenrest von König Baka (1) in Zaujet el-Aryan soll den rechten Schulter-Stern Bellatrix, und die zerstörte Pyramide von König Djedefre in Abu Roasch soll den linken Fuß-Stern Saiph darstellen. Der "Kopf" des Orion, eine Ansammlung schwächer erkennbarer Sterne mit dem helleren Stern Heka, soll mit der Pyramidengruppe in Abusir korrelieren. Die sog. "Rote-Pyramide" und die "Knickpyramide" in Dahschur sollen die beiden Sterne Aldebaran (Alpha Tauri) und Ain (Epsilon Tauri) aus dem Sternbild des Stiers (Hyaden) verkörpern. Schließlich soll die Milchstraße ihren irdischen Pendanten in dem längsten Fluß Afrikas gefunden haben, dem Nil. 

Die Sterne spielten für die alten Ägypter eine sehr entscheidende Rolle. Sie erkannten z.B. in dem Sternbild Orion (altäg.: Sahu) ihren Toten-Gott Osiris. Sahu (Osiris/Orion) wurde in schreitender Menschengestalt dargestellt (2). Ein verstorbener König suchte immer den Weg zu den Göttern. Er selbst wollte und sollte ein Gott werden (3), einen Platz finden unter den "Unvergänglichen" (4). Das Ziel des Königs war es, nach seinem Tode die himmlische Duat zu erreichen. Rosetau war das Tor zu ihr. Auch für diese Pforte, so behauptet Robert Bauval, gab es ein irdisches Gegenstück, nämlich die Pyramide des Cheops. Zu diesen Ausführungen ein Resümee...

 

Bild 4
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Das Resümee für Gizeh

Auch diese Hypothese verdient eine genauere Betrachtung. Folgende Annahmen sollen für den theoretischen Bauablauf wieder Voraussetzung sein:
  1. Es gilt die z.Z. anerkannte Baureihenfolge, gewonnen aus den Regierungsdaten der betreffenden Könige.
  2. Das Pyramidengebiet Gizeh war anfangs unbebaut, da Cheops, nach der anerkannten Baureihenfolge, der Erste mit seiner Pyramide war.

Bild 5

Diese Aufnahme (Bild 5) entstand im Februar 1998 und zeigt sehr deutlich zwei stellvertretende Problematiken der Pyramiden-Orion-Korrelation von Robert Bauval. Erstens sollte das Sternmuster des Gürtels mit dem Standortmuster der Gizeh-Pyramiden korrelieren d.h. übereinstimmen. Dazu muß der Winkel der Hauptachse von Gizeh zum Nordsüd-Meridian gleich groß sein, wie der Neigungswinkel des Oriongürtels zum Nordsüd-Meridian (im weiteren nur als Winkelkongruenz bezeichnet). Zweitens sollte der sog. südliche "Luftschacht" der Königskammer mit seinen 450000 im Jahre 2450 v.Chr. genau auf den Gürtelstern Alnitak (Zeta Orionis) ausgerichtet sein. Daraus ergeben sich folgende Überlegungen:

Bei einer (nach Bauval) gewollten Pyramiden-Orion-Übereinstimmung, wäre eine genau definierte Peilrichtung der alten Baumeister auf das Sternbild des Orion bei der Einmessung und Festlegung (!) der Hauptachse der drei geplanten (!) Pyramiden in Gizeh von entscheidender Bedeutung gewesen. Theoretisch waren vier Hauptpeilrichtungen möglich: Norden, Westen, Süden und Osten (5). Der Orion stand dem Sternbild des Drachen mit dem damaligen Nordstern "Thuban" gegenüber (6), damit scheiden nördliche Peilrichtungen für eine Korrelation des Gürtels mit den geplanten Pyramiden aus, da das Sternbild dort als Vorlage fehlte. Das danebenstehende Foto mit der Blickrichtung nach WSW verdeutlicht, daß auch westliche Peilrichtungen ausgeschieden wären, da sich sonst die kleine Pyramide von König Mykerinos, welche den versetzten Stern Mintaka verkörpern sollte, dort befinden müßte, wo heute die Pyramide des Cheops steht, also genau Seiten verkehrt. Bauval legt sich auf eine genaue Südrichtung fest, weil der geplante (!) südliche "Luftschacht" der oberen Kammer im Inneren der Pyramide des Cheops, in der Zeit des "Absteckens" (7), genau auf den Gürtelstern Alnitak eingemessen werden sollte. Seiner Meinung nach geschah das um 2450 v.Chr., doch in dieser Zeit bestand die o.g. Winkelkongruenz nicht. Diese Kongruenz war aber m.E. für eine genaue Standortbestimmung mit dem sich daraus ergebenden Standortmuster und der Größenvergabe (Grundfläche, Höhe bzw. Volumen) für die einzumessenden Pyramiden von primärer Bedeutung, denn die späteren Pyramiden sollten ja die Gürtelsterne kopieren! Bauval erreicht seine Pyramiden-Orion-Korrelation in Bezug auf die Winkelkongruenz und damit das Standortmuster, in dem er einfach die Zeit zurückspult und zwar auf das Beobachtungsjahr 10400-10450 v.Chr.! In diesem Zeitalter soll eine Winkelkongruenz, laut Computerberechnung existiert haben. Als Ergebnis der dargelegten Diskrepanz, traf Bauval folgende Aussage: Die Cheopspyramide sei lediglich eine "Sternenuhr", welche "nur" den Hinweis auf das Zeitalter der Götter um 10400-10450 v.Chr. liefere, aber um 2450 v.Chr. errichtet worden sei. Hier wird m.E. die Lage des Sternbildes seiner Korrelations-Theorie angepaßt und nicht umgekehrt! Das von Bauval vorgeschlagene Jahr 2450 v.Chr. als Baubeginn, steht im Gegensatz zu der z.Z. geltenden Annahme der Ägyptologen, die das Jahr 2620 v.Chr., dem Regierungsantritt von König Cheops, als Beginn für den Pyramidenbau betrachten. Diese Differenz könnte sich als unproblematisch erweisen, da sich meist durch immer genauer werdende Sothis-Berechnungen (8) und evtl. neue Fundstücke aus Grabungen, die Regierungslängen und damit auch die Antrittsdaten der bekannten Könige ändern. Doch bevor ein abschließendes Urteil über diese Theorie abgeben wird, betrachten wir erst einmal die Pyramidenareale Abu Roasch und Zaujet el-Aryan.

 

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(1) Der Name bzw. dessen Schreibweise ist nicht gesichert (Varianten sind: Bik-ka, Neb-ka oder Neb-ka-re = grie.: Bicheris)

(2) Ptolemäischer Zodiak aus dem Tempel der kuhköpfigen Göttin Hathor in Dendera (altägypt.: Iunet).

(3) Bis zu König Djedefre, der sich erstmals als "Sohn des Re" in einem weiteren Königsnamen bezeichnete, waren vermutlich alle seine Vorgänger noch selbst Gott-Könige.

(4) Diese "nie untergehenden" Sterne stellten eine Region um den damaligen Nordstern Alpha Draconis oder auch Thuban im Sternbild des Drachen dar. 

(5) Unsere heutige Bezeichnung für die vier Himmelsrichtungen soll nur zum besseren Verständnis mitbenutzt werden!

(6) Am Himmel leicht zwischen dem "kleinen-" und "Großen Wagen" zu finden.

(7) Zeremonie der Ausrichtung und Größenbestimmung einer Pyramide.

(8) Berechnung des heliakischen Sternaufgangs des Sirius - gilt als der ursprüngliche altägyptisch kalendarische Jahresbeginn.